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Waldmeister
Der Waldmeister (Galium odoratum, früher auch Asperula odorata) gehört zu den Rötegewächsen (Rubiaceae), wie der Färberkrapp oder die Kaffeepflanze. Er ist auch unter den Namen Maiblume, Gliedkraut, Gliedegänge und Halskräutlein bekannt.
Der Waldmeister hat einen kriechenden, ausdauernden Wurzelstock. Er treibt einfache, vierkantige, in Quirlen beblätterte Stengel. Die Quirle zählen sechs, oben acht hellgrüne, lanzettliche, am Rande mit feinen Borsten besetzte Blätter. Die Blüten stehen in einem Gipfelstrauß auf dreimal gedreiten Stielen. Sie sind schneeweiß, glockig sternförmig. Die Früchte stellen kleine klettenartige Nüsschen dar. Er blüht im Mai.
Waldmeister wächst in schattigen Wäldern, vorzugsweise in krautreichen Buchen- oder Laubmischwäldern. In der Pflanzensoziologie ist die Pflanze Fagetalia-(Ordnungs)-Charakterart mit Massen-Schwerpunkt im Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum).
Das Verbreitungsgebiet umfasst Mittel-, Ost- und Südeuropa sowie Nordamerika.
Im Kraut kommt Cumaringlycosid vor, das besonders beim verwelkenden Blatt Cumarin abspaltet. Cumarin verursacht den besonderen Waldmeister-Duft. In geringen Mengen kommen zudem vor: das Glucosid Rubichlorsäure (siehe Färberkrapp), und Gerbstoffe.
Waldmeister wird im Mai und im Juni gesammelt. Er wird vor allem als Gewürz für die Maibowle verwendet. Außer zur Bowle wurde die Pflanze früher zur Aromatisierung von Süßspeisen, wie z.B. Götterspeise, Limonaden, Eis, Likören, von Bier (Schuss in Berliner Weiße) und Parfümen verwendet. Nahrungsmittel dürfen heute aufgrund der Toxizität des Waldmeisters nur noch künstlich gefärbt und aromatisiert werden.
In der Homöopathie wird die Essenz aus frischem, vor der Blüte gesammeltem Kraut (D1-D2) bei Metritis, und Colpitis innerlich angewendet. In der Volksmedizin findet der Waldmeister als Antispasmodicum, bei Leberleiden und Gelbsucht Verwendung. (G/O)
Nach Genuss von Waldmeister kann es zu Kopfschmerzen kommen. Cumarin, das auch in Melilotus-Arten sowie in Anthoxantum odoratum vorkommt, kann beim Menschen in höheren Dosen Schwindel, Schlafsucht oder gar zentrale Lähmung und Atemstillstand im Koma hervorrufen. Solche Vergiftungen sind jedoch beim Genuss cumarinhaltiger Pflanzen wegen des geringen Cumaringehaltes und der geringen Toxizität des Cumarins nicht zu befürchten.
In früheren Jahrhunderten wurde der Waldmeister nicht nur von der Landbevölkerung genutzt, um in Kontakt mit den Naturgeistern zu kommen. Hierzu wurde u.a. folgendes Rezept verwendet: 50g trockenes Waldmeisterkraut mit 0,7 Liter Alkohol von 40% vol übergiessen und mindestens 12 besser 24 Stunden stehen lassen. Danach durch ein Tuch abseien. Als Anfangsdosis sind 20 ml des gewonnenen Extrakts empfehlenswert. Eine vorsichtige Steigerung auf bis zu 150ml ist möglich, allerdings nur für erfahrene Kräuterkundige ratsam. Kurze Zeit nach der Einnahme dieses Trankes "kommen die Waldwesen" - viel Spaß... ;-)
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