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Steinzeiternährung
Steinzeiternährung ist ein alternatives Diätsystem, das sich an der Ernährungsweise paläolithischer (altsteinzeitlicher) Völker zu orientieren versucht, die vor der neolithischen Revolution praktiziert wurde. Das wesentliche Prinzip der Steinzeiternährung besteht darin, nur solche Nahrungsmittel zu konsumieren, die vor Erfindung des Ackerbaus und der Viehzucht bereits verfügbar waren. Da dies praktisch schwer umzusetzen ist (kaum jemand mag heute den Mageninhalt großer Pflanzenfresser verspeisen und die damals konsumierten Fleischmengen gelten heute als ungesund), ergänzen vergleichsweise natürliche Kulturpflanzen wie Blumenkohl, Auberginen und Paprikaschoten den Speiseplan (welche den Menschen der Altsteinzeit selbstverständlich unbekannt waren).
Diese Form der Ernährung umfasst Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse in roher oder zubereiteter Form. Auch Pilze, Nüsse, Wildfrüchte, Eier und (kaltgeschleuderter) Honig gehören dazu. Milchprodukte dagegen sind kein Bestandteil dieser Ernährungsform, obwohl sie roh (Rohmilchkäse etc.) gegessen werden könnten. Nicht nur Zucker, Milchprodukte und Getreide, sondern auch Zusatzstoffe (wie Natriumglutamat, jodierte Lebensmittel oder fluoridierte Ware, zusätzliches Iod und Fluor in der Nahrung und allzu moderne Verfahren (Mikrowellenherd) werden vermieden.
Obwohl frisches Obst und frische pflanzliche Nahrung auf der Nordhalbkugel nur im Frühjahr, Sommer und Herbst zur Verfügung stehen, verwenden Anhänger der Steinzeitkost diese ganzjährig. Als durstlöschende Getränke werden nur Wasser, Tee aus Kräuteraufgüssen (dies war im Gegensatz zu schwarzem Tee den Menschen der Altsteinzeit vmtl. bereits bekannt) und gelegentlich frisch gepresster Fruchtsaft akzeptiert. Alkoholische Getränke wie Wein gelten als umstritten.
Wenn die steinzeitliche Nahrung aus 2/3 pflanzlicher und zu 1/3 aus tierischer Kost besteht (ein Verhältnis, welches sich nicht mit den Erkenntnissen der Paläonthologie deckt), bezieht sie ihren Nährwert zu rund 50% aus Fett, 30% aus Eiweiß und 20% aus Kohlehydraten. Eine solche Diät gilt nach schulmedizinischem Verständnis als Unterversorgung mit Kohlenhydraten, wie sie in Nudeln, Reis, Kartoffeln und ähnlichen Nährmitteln enthalten sind, und ist in soweit mit der Atkins-Diät verwandt. Anders als bei der Atkins-Diät werden jedoch auch Obst und Gemüse in großen Mengen verzehrt - selbst dann, wenn sie einen hohen glykämischen Index haben sollten. Der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen soll das Mehrfache der empfohlenen Tagesdosis betragen. Der Jäger der Altsteinzeit deckte einen großen Teil seines Vitaminbedarfes durch den Verzehr des vorverdauten Magenihalts der erlegten Pflanzenfresser.
Anhänger behaupten, dass archäologische Ergebnisse - wie etwa der Fund eines kompletten Homo erectus Skelettes (Turkana Junge)durch Kamoya Kimeu 1984 in Afrika (http://www.talkorigins.org/faqs/homs/15000.html) oder die bis zu 1,88 Meter großen, etwa 100.000 Jahre alten Gebeine von Homo sapiens sapiens aus Quafzeh - zeigen, dass die altsteinzeitlichen Vorfahren größer und gesünder waren als die Menschen der folgenden Epochen. Zudem seien die wenigen Naturvölker, die heute noch Jäger und Sammler sind oder bis vor kurzem waren, frei von Zivilisationskrankheiten wie Diabetes.
Die Befürworter quasi-paleolithischer Ernährung wie etwa Loren Cordain sehen in der steinzeitlichen Ernährung die einzige "artgerechte" Ernährung des Menschen, die sich seit über 130.000 Jahren für den Homo sapiens sapiens bewährt habe und davor über viele Jahrhunderttausende vom Homo erectus praktiziert worden sei. Als Vorteile steinzeitlicher Ernährung werden genannt: Krankheiten und Allergien sollen heilen oder sich erheblich bessern, die Leistungsfähigkeit soll steigen und der Blutzuckerspiegel stabil bleiben.
Nachteile: steinzeitliche Ernährung ist teuer, nicht als Fertiggericht erhältlich und erfordert Zeit bei der Zubereitung.
Es ist außerdem anzumerken, daß es kaum gesicherte Erkenntnisse über den Gesundheitszustand der Menschen der Altsteinzeit gibt, und dass die Zunahme von Krankheiten im fortgeschrittenem Lebensalter außer Acht gelassen werden. Die Menschen der Altsteinzeit, ebenso wie die Menschen der sogenannten Naturvölker, erreichen z.B. oft nicht das Alter für die Entwicklung einer Altersdiabetes. Des weiteren unterscheidet sich das Leben dieser Menschen von dem der Menschen in den Industriestaaten nicht nur durch die Ernährung, sondern auch durch völlig andere Lebensgewohnheiten. Eine Beschränkung des Vergleiches zwischen diesen beiden Gruppen von Menschen auf die Ernährung greift somit zu kurz.
Dass der altsteinzeitliche Mensch kein hohes Alter erreicht habe, wird - anders als bei den belegbar fehlernährten und kurzlebigen mittelalterlichen Menschen - häufig behauptet, aber letztlich nicht belegt. Die wenigen Völker, die heute noch oder vor einigen Jahrzehnten steinzeitlich lebten, sind/waren Bevölkrungsgruppen, die von höher zivilisierten Völkern in ein lebensfeindliches Abseits gedrängt wurden, das die Lebensspanne möglicherweise tatsächlich verkürzt. Zudem gibt es selbst für Bevölkerungsgruppen wie die arktischen Inuit keine epidemiologischen und demographischen Untersuchungen aus der Zeit der noch rein steinzeitlichen Epoche, die eindeutig statistisch belegen würden, dass die damals steinzeitlich lebenden Menschen tatsächlich kürzer lebten.
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